1401. Akismet = Abmahnung? Don´t panic!

Achtung Abmahnung schreien alle wieder und die Welt bloggt, retweeted und yiggt es. Grundlage: Akismet speichert unter anderem die IP-Adresse und sendet diese zum SPAM-Check an die Akismet Server. Ist das abmahngefährdet?Schaun wir mal was so passiert ist

  1. Der Playground stellt die Frage: Akismet in Deutschland rechtmäßig?
    Darin geht der Autor auf die Problematik ein, dass das PlugIn die IP-Adresse an Akismet sendet. Und gerade diese IP-Speicherung ist bereits 2 mal als rechtswidrig verurteilt worden ist. Einmal vom Amtsgericht Berlin Mitte (Urteil vom 27.03.2007, Az. 5 C 314/06) und Landgerichts Berlin (Urteil vom 06.09.2007, Az. 23 S 3/07)
    Quelle: akademie.de
  2. Auf einmal schreit gleich der Datenwachschutz-Blog: Akismet in Deutschland, Österreich und Schweiz rechtswidrig!!!
    Und bezieht sich mit dieser reißerischen aber dazugedichteten These auf playground (siehe 1.). Gleichzeitig wird ein Mustertext entworfen, der in die eigene Webseite eingebunden werden soll und den Besucher darauf hinweist, dass er nicht kommentieren darf, wenn er mit dem Senden der Daten an einen Server in den USA nicht einverstanden ist.
  3. Disclaimer? Geil! Her damit. Und schon blubbert Sabiro was der Datenwachschutz Blog so von sich gibt mit: Akismet Nutzung kann teuer werden, stellt es in yigg ein… bit2bit retweeted es… und schon stellt die Blogosphäre Akismet ab. SPAM Ahoi

Man könnte ja playground vorwerfen er sei ein Spamer und wollte Akismet loswerden. Fakt ist aber, dass der Artikel von playground (siehe 1.) genau die richtige Frage stellt: Ist Akismet abmahngefärdet, weil auch Analytics abmahngefärdet ist? Die Frage ist berechtigt, die Angst berüht aber nur auf 2 Gerichtsurteilen.

Ich zitiere wieder mal von akademie.de

Dort [Telemediengesetz] heißt es: “Der Diensteanbieter darf personenbezogene Daten eines Nutzers nur erheben und verwenden, soweit dies erforderlich ist, um die Inanspruchnahme von Telemedien zu ermöglichen und abzurechnen (Nutzungsdaten)”.

Nun stellt sich insgesamt die Frage, welche Daten überhaupt und zu welchen Zwecken erhoben und verwendet werden.

Stellen IP-Adressen personenbezogene Daten dar?

Die Berliner Gerichte bejahten diese Frage. Sie waren der Auffassung, dass durch eine IP-Adresse eine natürliche Person – gegebenenfalls unter Zuhilfenahme Dritter – bestimmbar ist. Die Einordnung der IP-Adressen als personenbezogene Daten ist jedoch juristisch umstritten und auch von den Gerichten noch nicht endgültig geklärt. Die momentane Tendenz in der Rechtsprechung weist jedoch dahin, dass IP-Adressen tatsächlich personenbezogene Daten darstellen.

Für mich ist die ganze Aktion ein bisschen viel Panikmache. So lange die Rechtslage so unklar ist und nur auf 2 Gerichtsurteilen beruht behalte ich mein Akismet.

Ist eigentlich schon jemand wegen Analytics abgemaht worden? Würde mich mal interessieren ob das nicht auch Panikmache ist?

Ach ja, hätte ich ja fast vergessen: Wer mit dem Senden von Daten an Akisment NICHT einverstanden ist, darf hier auch so lange kommentieren, dass er nicht einverstanden ist, bis er vorbei kommt, Akismet abschaltet und von Hand die Spam Kommentare jeden Tag löscht. Und zwar mit einem Löffel, denn das tut mehr weh!

Beitrag vom 14.01.2009
Abgelegt unter Onlinerecht
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Post von Hanta Seewald

Hanta ist Geschäftsführer von medialis.net und mark-up Marketing Design. Im 72dpiClub kommentiert er Entdeckungen und berichtet über das, was ihn begeistert. Seine Schwerpunkte sind Online Marketing und die Welt des Social Media (und das Schreiben über sich selbst in der dritten Person)

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  1. martinwaiss | 14012009 22:37

    Guter Post!

    Ich hatte aber gar nicht Angst vor einer Abmahnung, aus sowas mache ich mir keinen Kopf. Allerdings versuche ich mit meinen Blogbesuchern genauso umzugehen, wie ich selbst woanders behandelt werden möchte.

    Und daher nutze ich auch kein Analytics mehr, weil mir der Preis zu hoch geworden ist, ohne jegliche drohende Abmahnung oder sowas. Und als ich letztlich ein Problem mit meinem Akismet hatte, haben die Burschen in drei Stunden eine Lösung zurückgemailt. Also ich kann echt nicht meckern.

    Muss aber leider auch zugeben, dass ich es mir nicht angeschaut habe, bevor ich Akismet bei mir installiert habe. Es war mir klar, dass die Spam-Analyse auf “etwas wie Userdaten & co.” basiert sein muss, damit es funktionieren kann, aber dass so ein komplettes Besucherprofil übermittelt wird, war mir nicht bewusst.

    Und ebenfalls möchte ich sagen, daß ich Akismet liebe, es hält meine Seiten praktische spamfrei, ohne dass ich selbst viel dazu beitragen müsste. Aber die Datenliste, die Akismet nach Hause telefoniert, ist doch ein Bisserl mehr als nur die IP, nicht wahr?

    Und das manuelle Spamlöschen ist nicht die einzige Akismet-Alternative, soweit ich weiss funzt SpamKarma2 nicht so schlecht, das proprietäre Mollom ist unter 100 Kommentare am Tag auch gratis und Defensio befindet sich derzeit noch in private-beta…

    Das ganze ist für mich vor allem die Frage nach dem Preis, den ich für meine Bequemlichkeit zahle. Vor allem, wenn’s nicht mal aus meiner “Tasche” stammt…

    Grüße aus Wien, M.

  2. Hanta Seewald | 14012009 22:55

    @martinwaiss: Danke für den Kommentar

    Dem Kommentator das Heimweh von Akismet zu erparen ist natürlich eine ganz andere Sache. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass es bei mir wohl die Bequemlichkeit über den weiteren Einsatz von Akismet entscheidet. Es funktioniert gut, ich habe keinen Stress mit Spam und kann mich mehr aufs Bloggen konzentrieren.

    Eine weiter Frage: Wie datenschutzunbedenklich sind die anderen Anti-Spam Plugins?

  3. Michael | 15012009 08:37

    Es steht doch schon im ersten Satz:

    Zitat: Im Zuge der Entwicklung des Antispam Bee Plugin wurde ich mit einer sehr fragwürdigen Tatsache konfrontiert, die ich an die Öffentlichkeit tragen möchte mit dem Zweck, eine Bestätigung oder Negativierung dafür zu erhalten. …

    Ich bekomme mein eigenes Plugin auch nicht auf den -markt wenn die Mitbewerber so groß sind.
    Auf jedenfall stimmt die Downloadrate.

    Ich behalte Akismet!

  4. Hanta Seewald | 15012009 09:32

    @Michael: Richtig, den Satz habe ich bei meinem Post vergessen zu erwähnen. Wenn er aber über die Daten, die gesendet werden nicht gelogen hat ist diese Tatsache schon eine Überlegung wert, egal ob Playground jetzt die Kokurrenz nieder machen will oder nicht

  5. Sergej Müller | 15012009 14:09

    Hehe, was man so einem unterstellt wird…
    Möchte man bestimmte Erkenntnisse nicht für sich behalten und die Blogger da draußen darauf aufmerksam machen, schon werden einem Dinge vorgeworfen bis es echt nicht mehr geht.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass man der Menschheit sowieso nie recht machen kann, egal was man tut… Beim nächsten mal überlege ich zweimal, ob ich auf eine eventuelle Gefahr hinweise oder es mir zuliebe doch sein lasse.

  6. Hanta Seewald | 15012009 14:28

    @Sergej: Als Autor eines Konkurrenz Produktes musst Du einfach auch mit diesem Vorwurf leben ;-)

    Außerdem war es ganz bestimmt nicht zu Deinem Schaden, dass jetzt einige Blogger akismet auf Basis Deines Artikel diskutieren. An deiner Stellen bräuchte ich gar nicht zwei mal überlegen, solch einen Artikel noch mal zu posten.

    theKaiser von den Werbebloggern hat mal gesagt, wenn ich jede Woche mindestens 2 Hassmails bekomme, habe ich es richtig gemacht.

    Vielleicht hat aber er auch nur wieder zitiert. Ich weiss es nicht mehr genau.

  7. Sergej Müller | 15012009 14:35

    Du meinst also, meine Strategie war doch gar nicht so schlecht? ;)

    Nein, ich finde das immer wieder erstaunlich auf welche Gedanken die Kommentatoren und Blogger so kommen. Da würde ich beim gesunden Verstand nie drauf kommen. Ist witzig und traurig zugleich.

  8. martinwaiss | 15012009 14:58

    @Sergej Lass uns also doch nicht länger im Dunkeln tappen und führe uns zum Licht! Die ganze Menschheit wird es dir danken.

    Ahja, nochwas. Define: ‘gesunder Verstand’ … da bin ich schon gespannt!

  9. Sergej Müller | 15012009 15:11

    Nee, auf die Einzelheiten möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Es ist hell genug.

  10. Adrian | 20012009 20:00

    Über die Rechtmäßigkeit von Akismet kann man schon streiten. Im Übrigen gibt es auch noch ein drittes Urteil, das genau gegenteilig zu den Berliner Entscheidungen steht:
    http://www.telemedicus.info/urteile/524-133-C-567708.html

    Richtig ist aber auch, dass Abmahnungen im Bereich Datenschutzrecht relativ selten sind. Was schon damit zusammenhängt, dass es sich meist sehr schlecht beweisen lässt, wer was über wen speichert. Das gilt ganz besonders für Akismet: Niemand kann sehen, ob ein Blog das Plugin nutzt oder nicht. Keine gute Voraussetzung für eine Abmahnung.

    Ich meine, dass man durchaus über das Thema diskutieren sollte. Allerdings mit Ruhe und Bedacht. Der Schrei nach Abmahnfallen ist da meist nicht sonderlich produktiv. Zumal eben nicht alles, was rechtswidrig ist, auch gleich eine Abmahnfalle ist.

    Für Interessierte: Weitere Details gibt es von Jens Ferner unter http://www.ip-adressen-recht.de/ (auch wenn ich nicht immer seine Ansicht teile ;) ).

  11. GreenSmilies | 20012009 20:13

    Akismet wieder aus…

    Aus, dann wegen einer Trackback-Flut wieder an und nun ist Akismet hier wieder aus.
    Normalen Kommentar-Spam wehrt hier schon seit langem das “Math Comment Spam Protection“-Plugin von Michael Wöhrer ab, für den Müll der via Trackback hier…

  12. Ralf Mikusch | 06052009 14:34

    Die Nutzung von Akismet hat noch weitere entscheidende Nachteile, denn wenn ich bei einem Kommentar unseren Blog als Website eintrage, verschwindet der Kommentar als Spam.

    Warum? ganz einfach!

    Man kann durch Akismet die Konkurrenz oder Blogger, die man nicht leiden kann, in die Spamliste bringen.

    Wie geht das? ganz einfach!

    Probiere mal folgendes aus:

    1. Schreibe mal in deinem Blog zwei Kommentar mit einem fantasie Namen, fantasie eMail, fantasie Domain.

    2. Makiere diese Einträge bei Akismet als Spam.

    3. Schreibe zwei oder drei weitere Kommentare (die aus Müll bestehen) mit den gleichen fantasie Angaben in verschiedenen anderen Blogs die Akismet benutzen.

    Du wirst sehen, mit der fantasie Domain ist es nicht mehr möglich in einem Blog zu kommentieren, der Akismet nutzt.

    Dies kann natürlich durch “böse Buben” genutzt werden, um Blogger in die Spamliste zu bringen.

  13. Hanta Seewald | 06052009 14:40

    Interessant. Ich würde aber sagen dass sowieso nur noch Spamer Ihren Blog in das Homepage Feld eintragen. Mittlerweile gehört es ja zum guten Ton keine Verlinkung mehr anzugeben. Ich gebe statt dessen oft meinen Twitter Account an.

  14. Farbfilmblogger | 06052009 17:31

    Also Akismet war mir ohnehin immer viel zu umständlich, weil man da erst eine API-ID beantragen muss und das alles um ein bisschen Spam zu blocken. Setze jetzt auch auf Math Comment, ist supereinfach und bis jetzt ist noch kein automatischer Spam durchgekommen. Vermutlich nicht weil jetzt das ausrechnen so schwierig wäre, sondern eher weil der Aufwand überhaupt nicht lohnt für die paar Math Comment Blogs einen Bot zu programmieren, der dann ein paar Kommentare absetzt, die ohnehin gleich gelöscht werden. Eignet sich allerdings nicht für alle Blogs – die Grundlagen der Addition sollten die avisierten Besucher schon beherrschen ;-)

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