3001. Finanzkrise gleich Werbekrise?!

Also doch! Endlich bringen es die großen, etablierten Printhäuser mal auf den Punkt: Das Internet versaut die Medienlandschaft, Blogs machen guten Journalismus unbezahlbar und an allem Schuld ist Google.

Im Schatten der weltweiten Finanzkrise wackeln also auch die Stühle der großen, klassischen Häuser. Und wälzen ihre eigene Fehlbarkeit auf die Neuen im Kreise der Beteiligten ab.

Was war

Die neuen Medien mit Internet, mobilen Services und die immer enger werdende, vernetzte Welt bot lange Zeit Genug Spielraum für neue Ideen, interessante Geschäftsideen und neue Werbekonzepte.

Die Werbe-Etats für den Online-Sektor sind gerade in den letzten wenigen Jahren enorm gewachsen, zugegeben. Doch damit hat sich die Branche bis auf wenige Ausnahmen erstmal selbst gefeiert. Drumherum wurde belächelt. Vielleicht interessiert belächelt, aber belächelt.

Und ebenso klar ist, dass die Etats für TV und Radio entsprechend geschrumpft sind. Auch darüber wurde geschrieben und geschimpft. Letztlich wurde aber auch adaptiert und eine neue Ausrichtung vieler Funk- und Film-häuser gefunden, ihre Services auch online zu vermarkten. Gute Konzepte stecken in der Entwicklung und erste profitable und vor allem stabile Erfolge sind messbar. Man hat sich arrangiert.

Bei den Zeitungen waren die Verluste an die Online-Welt natürlich auch zu spüren. Der Kleinanzeigen-Markt ist abgewandert und Tageszeitungen haben es etwas schwerer, sich gegen stets aktuelle Internet-Presseseiten zu behaupten. Doch selbst mit dem enormen Wachstum konnten Online-Budgets den Platzhirschen der Print-Etats nicht das Wasser reichen.

Man schuf also erst einmal ein paar Ableger seiner Zeitungen und Magazine, die gedruckte Artikel anteaserten, deren Artikel von der B-Redaktion des Hauses geschrieben wurden und obendrein nebenbei bitte noch Restbestände alter Billig-DVDs verkauften. Gepaart mit halbherzig umgesetzten Vermarktungen kam man dann irgendwie +/- 0 aus der Sache.

Was ist

Jetzt kommt die Krise. Sicher sind im Taumel der Krise alle Medien von den Einsparungen der Unternehmen, und letzten Endes dann irgendwann auch der Konsumenten betroffen.

48 % weniger Gewinn hat da die New York Times im letzten Quartal 2008 als im Jahr zuvor zu verzeichnen. Hubert Burda schimpft darüber, dass neben Google mit seinen - bitte zugeben - guten und vor allem profitablen Ideen andere Werbeanbieter erdrückt. Und dann kommt da noch eine Google-Angestellte hergeschissen und sagt, dass es 2010 bestimmt weniger Zeitungen geben wird als 2008 - einige der klassichen Medienerzeugnisse also finanziell eingestampft werden.

Doch die Meldungen aus dem Online-Sektor, die etwa über ein stagnierendes Wachstum des Online-Marketings oder die ein gewisses Maß an Flexibilität der Online-Medien fordern, hören sich dabei an wie blanker Hohn in den Ohren der leidgebeutelten Printler.

Und es wird geschimpft, gelästert und die Schuld den anderen zugeschoben.

Was bleibt

Face it: Die weltweite Krise beschleunigt eine bereits eingeleitete Evolution. Wenn nicht vor 2 Jahren, vor 6 Monaten oder vor 3 Tagen, so muss jetzt umdenken, wer nicht als Dinosaurier enden will.

Schimpfen hilft da wenig, sondern es muss proaktiv mit der Situation umgegangen oder schlicht ehrlich nach guten Konzepten gefragt werden. Denn auch diese Sache ist bei den Architekten der neuen Medienwelt nicht klassisch: man ist flexibel, hört zu und bereit Dinge auszuprobieren.

Ach ja: Das Fazit meiner Quelle und Anregung dieses Artikels (SPON) verstehe ich anders. Blogger und läppisch hingeflanschte Artikel in irgendwelchen RSS-Feeds ersetzen in keiner Weise den klassischen Qualitätsjournalismus. Nach alternativen Möglichkeiten zu fragen, diesen zu bezahlen heißt nicht, dass man ihn nicht bezahlen will.

Die Verbindung wird enger zwischen dem richtig, echten Journalismus und dem, was im Netz passiert. Doch wird es sicher nie das eine ohne das andere geben. Sag ich jetzt mal so - zerfleischt mich in den Kommentaren.

Also reißt euch zusammen, vertragt euch und denkt über was Nützliches nach. Vielleicht am jetzt beginnenden Wochenende. Deal?

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Post von Sebastian Gerhards

Sebastian arbeitet für core4 in Hannover und gehört zum Gründerteam des Clubs. Er schreibt über Online-Marketing & -Recht, Projektmanagement, Neues, Interessantes und die Perlen im Netz, die uns stolz machen ein Teil davon zu sein.

Alle Artikel von Sebastian Gerhards | Homepage/Blog | Sebastian auf Twitter folgen, direkt kontaktieren.



  1. Hanta Seewald | 30012009 17:49

    Meine eigene Erfahrung im täglichen Werbebusiness B2B mittelstand: Kunden verlangen verstärkt nach Online Marketing, AdWords boomt, SEO muss her alles auf neuer Webseite. Im Print Stagnation.

    Daher die Anregung an die klassischen Printler: Wenn der Online Markt auf Input Overdose zusteuert und die Adwords Effizienz wegen Überfüllung sinkt, sollte man mit neuen Konzepten aufwarten, die allein schon aufgrund der Andersartigkeit auch beim Bannerblinden Konsumenten auffällt.

  2. Antje | 14022009 17:11

    Die Krise stand doch schon lange bevor, viele versuchen nun auf dieser Krise alles abzuwälzen. Egal aus welchem Berufszweig, alles wird auf die derzeitige Krise geschoben. Weniger Zeitungen wird es auch in den nächsten Jahren nicht geben, denn das geschriebene Wort auf einem Blatt Papier ist vielen Menschen mehr wert, als wenn sie es nur hier lesen könnten. Auch der Journalismus wird weiter bestehen, denn nur durch diesen erfahren wir all die Neuigkeiten, die in der Welt geschehen.

  3. Sebastian Gerhards | 14022009 17:37

    Ich mag nicht beurteilen, ob eine Krise in Ihrer derzeitigen und angekündigten Wucht absehbar war.

    Fakt ist aber, und da gebe ich der gerne Recht, dass sicher heutzutage auch einige “Trittbrettfahrer” die Gründe für ihr eigenes Versagen auf die Krise schieben. Genauso wie das Jammern einiger wenig innovativer klassischen Medienhäuser die Schuld undifferenziert auf die Entwicklung im Internet schieben.

    Fakt ist auch, dass in der Tat das gedruckte Wort in vielen Haushalten immer noch einen Vertrauensvorsprung hat. Hier wird sich, und da widerspreche ich, aber in naher Zukunft sicher etwas ändern.

    Sich dagegen von Blogs und Microblogs als Journalist oder Medienhaus angegriffen zu fühlen ist Unsinn. Professioneller Journalismus hat definitiv auch in Zukunft seine Berechtigung. Wie das ganze finanziert wird ist Aufgabe der Medienhäuser, die hoffentlich bald wirklich funktionierende Konzepte dazu schaffen.

  4. kadekmedien | 16032009 18:59

    Qualitätsjournalismus und Printmedien haben gleichermaßen eine sichere und rosige Zukunft, wenn Sie sich die Schwächen des Bürgerjournalismus (Bloggen & Co.) - also die durch rasante Geschwindigkeit auftretende Oberflächlichkeit - zunutze machen und sorgfältig recherchierte, tiefgründige Hintergrundinformation liefern.

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