Zum zweiten mal in meinem ganzen schönen Leben machte ich mich am gestrigen Montag den 2. März auf nach Frankfurt, um aus einem normalen Montag mit Restträgheit vom Wochenende einen Webmontag zu machen. Es hat sich gelohnt, denn ich bin um folgendes Fazit reicher: Second Life und Webverzeichnisse sind tot – es lebe Crowdfunding. Na, wer hätte das gedacht?
Second Life – still living?
Beginnen wir beim Beginn: Dem immer noch andauernden Dasein von Second Life. Marcus Link von Three D Services stellt sich als 3D Webdesigner vor und führte uns in die 3D Welten von Second Life und seinen dort designten Uhren, Häusern und Geschäftsräumen.
Folgende Behauptung erfolgt ohne Recherche sondern aufgrund von eigenen Erfahrungen und aus dem Bauch heraus: Second Life wird niemals wieder einen zweiten Frühling erleben. Trotzdem gibt es Begeisterte, die Ihre Produkte und Welten dort erschaffen und auch ein paar Wenige, die es kaufen, aber es gibt lukrativere Nischen.
Dass Second Life jetzt auch Quellcodes offen legt ist Grundvoraussetzung für die weitere Existenz und kein Anzeichen eines Aufsteigen Second Lifes aus der Asche des berühmten Phönix. Man belehre mich bitte mit Zahlen und Fakten eines Besseren.
Crowdfunding – wer braucht schon Banken?
Burkhard Schneider war bereits beim letzen Mal ein Highlight und sorgte auch gestern mit seinen Best Practice Business Beispielen für inspirierende Kurzweil. Ich rekonstruiere mal den Vortrag anhand von Burkhards Blogbeiträgen im Best Practice Business Blog zusammen.
Crowdfunding ist letztendlich ein System zur Finanzierung von Projekten/Geschäftsmodellen durch Kunden, Fans etc. (Crowdfunding ein Überblick). So nach dem Motto: Ich habe eine Idee und lasse diese von potentiellen Kunden oder Fans vorfinanzieren. Ich betone die Fans so sehr, da es bei diesen mit Abstand am besten funktioniert. Aktuelles Beispiel ist die Saab Rettungsaktion, bei der Händler und Fans den angeschlagenen Autohersteller unterstützen wollen.
Ein Plattform, die Crowdfunding zum Konzept gemacht hat ist SellABand – ein Geschäftmodell bei der Fans die CD-Produktion von Bands vorfinanzieren. Pionierin in diesem Bereich war die Künstlerin Verity, die bei Ihren Fans die Produktionskosten im Voraus einsammelte. Hat nur leider ein paar Jährchen gedauert.
Bei Sängerin Jill Sobule hat es nur 53 Tage gedauert und Sie hatte 75.000 US $ eingesammelt. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie hat sich eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten – sozusagen Sponsoring Pakete – mit entsprechender Gegenleistung einfallen lassen. Hier steht genau, wie sie es gemacht hat.
Sehr inspirierend das Thema Crowdfunding. Sicherlich gibt es hier Abnutzungspotential wenn es alle machen (siehe SellABand) aber wenn man eigene, neue Wege geht sind die Möglichkeiten groß (siehe Jill Sobule). Gleiches gilt für Marketing im Allgemeinen und Online Marketing im Speziellen, wo es Probleme wie Bannerblindheit und das langsame Sterben des TKP gibt. Banner waren früher die Banken, die einem die Besucher geliehen haben, damit man Sie zu Kunden machen konnte. Jetzt gibts aber kaum mehr Besucher von der Bank, also könnte man zum Beispiel seine Kunden fragen, ob Sie einem Besucher “vorfinanzieren”. Nicht neu die Idee, deswegen heisst sie auch Empfehlungsmarketing aber ich hoffe ich konnte Parallellen deutlich machen.
Nepomuk – ich will Dir Semantik
Andreas Demmer von Bartenbach hat nicht nur eine nette Zusammenfassung des Webmontags geschrieben, sondern auch den Semantic Social Desktop Nepomuk frisch und interessant vorgestellt. Seine Slides hat er hier als PDF veröffentlicht.
Nepomuk steht für Network Environment for Personal Ontology-based Management of Unified Knowledge. Sicherlich ein Running Gag bei der Vorstellung dieser “Dateiverwaltung” (ich hoffe das war keine Blasphemie), die nicht nur Dateien verwaltet sondern sich auch in die Programme integriert, die eben diese Dateien erstellen, herunterladen usw. um erweiterte bzw. soziale Dateimerkmale zu erfassen….. Oder so ähnlich. Ich glaube so richtig zusammenfassen kann ich diese Anwendung nicht, aber ich war nach dem Vortrag total überzeugt davon, dass Nepomuk entscheidend dazu beitragen kann, Dateien wiederzufinden. Wie bekommt man Nepomuk? KDE verwenden.
P.S. Ich glaube die Jungs von Qimaya könnten sich vieleicht auch dafür interessieren.
Barrierefreiheit – jetzt Neu.
Dorothea Winterling von acomi erzählte von der neuen Web Content Accessibility Guidelines in der Version 2.0. Barrierefreiheit also jetzt auch in der berechtigten Versionsnummer 2.0. War für mich nichts Neues und ich hab bei diesem Thema ein bisschen die Erwähnung von Suchmaschinenoptimierung vermisst.
Barrierefreiheit ist nicht einfach nur ein ebenso langes Wort wie Suchmaschinenoptimierung, sondern hat auch viel damit gemeinsam. Wer eine ordentliche On-Page Optimierung durchführt, hat auch schon viel zum Thema Barrierefreiheit durchgeführt. Vielleicht will man sich aber auch nicht mit den komischen SEOs unter eine Decke begeben.
Webverzeichnisse – in der Nische sinnvoll?
Den Satz würde ich so erstmal nicht kategorisch ausschließen. Leider gelang es Harald Hohl nicht, das Publikum von der Plattform Proaudioguide als Directory 2.0 zu überzeugen, mich auch nicht.
Web Design – Diva oder Dienstleister?
Angie Henn von der New Identity AG stellte ein wenig die klassische Position des Webdesigners, seinen Aufgaben und den Anforderungen des Kunden in Frage. Müssen wir unbedingt Bubbles und runde Ecken haben, damit wir Web 2.0 sind? Ist das Kopieren von Design-Trends die Daseinsberechtigung im Pool von Lifestyle und hippen Internet-Startups? Haben myspace, Youtube, facebook und Co. eigentlich noch Bubbles und runde Ecken?
Muss sich ein Webdesign nicht auch mit Usability befassen? Ich wage mal zu behaupten, dass unprofessionelles Design unter Umständen die Glaubwürdigkeit steigern kann. Evtl. sieht das Perfekte und Glatte bei manchen Menschen immer auch ein wenig nach verhasster Werbung und verlogenem Marketing aus.
Warum ist Google trotz mangelndem Design so erfolgreich? Oder ist die Reduzierung aufs Wesentliche das echte webzwonullige Design?
Ich würde sagen Design wird immer mehr Dienstleister und wer das als Webdesigner kapiert hat, behält auch definitiv seinen Job.
Bisher habe ich nur den Bericht von Andreas Demmer über den Webmontag gefunden. Ist die Blogunterstützung in Frankfurt denn wirklich so gering? Oder ist der Hesse eher der stille Genießer eines Webmontags. Wäre ja schön, wenn man beim nächsten Webmontag mit bloggenden Hessen ohne Pingbacks kommunizieren könnte.
Wann ist eigentlich der nächste? Hat das jemand aufgeschrieben? Ich würde da gerne hin.
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Tags Crowdfunding, Webdesign, webmontag
Der nächste Webmontag ist am 8.6.
Ganz schön lang wars diesmal. Und mehr oder weniger inspirierend. Spannend fand ich ebenfalls Nepomuk, versuche aber noch, die Anwendung zu verstehen.
Bring doch selbst einen Vortrag! Eins der vielen Themen auf 72dpi lässt sich sicher auf 15 Minuten ausweiten…
Stimmt. Die leise Kritik an der Länge habe ich vergessen. Mit dem richtigen Thema kommt vielleicht auch der Mut zum Beitrag. Bisher fehlt mir beides.
Mein lieber Scholli! Sind ja recht fette Themen gewesen bei euch in FfM… Liest sich hier fast alles ziemlich interessant. Wenn Hanta seinen Vortrag hält werde ich Webmontag-Tourist.
P.S. Nepomuk verstehe ich auch nicht…
Mann Mann Mann. Ich ärger mich ja schon das ich keine Zeit gefunden habe mit zu kommen. Nächstes mal wieder
Zu SecondLife möchte ich aber doch noch was los werden: Grundliegend gebe ich dir recht, allerdings bin ich ja gelegentlich SL-addicted
Als ich vor zwei Jahren ziemlich oft in SL war und der Hype so langsam über die Server rollte war es schon witzig anzusehen wie alle Firmen dachten eine neue Marketing-Ecke gefunden zu haben. Genutzt hat es ihnen nicht. Auf der Eröffnung des Post-Towers waren acht (8!) Avatare.
Aber als ich vor ein paar Wochen wieder mal “in world” war staunte ich nicht schlecht das mittlerweile ca. 80000 [Wie gewünscht korrigiert von Sebastian] statt 20000 Leute online waren.
Ich denke das SL nie das Marketing Instrument sein wird was sich die Firmen wünschen sein wird, aber man kommt sich schon lustig/komisch vor wenn man mit seinem Kumpel der 100km weg wohnt gemeinsam in nem Club sitzt, gute Musik hört, sich die Leute anguckt und dabei über Headset “telefoniert”
PS: Nen StormTrooper der mit ner Gitarre auf der Bühne steht und ein Livekonzert gibt findet man glaube ich auch nur in SL
Hier wird Nepomuk ganz gut erklärt: http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Finden-statt-suchen
Ahm… so halb OT… ist hier CSS-Naked-Day, oder ist das Theme aus? Mein Browser hat nichts deaktiviert und ich sehe hier nur eine Textwüste.
Zurück zum Thema: “Ist die Blogunterstützung in Frankfurt denn wirklich so gering?” Zu faul! ich gebs ja zu. Und lange nicht mehr geschlafen. Aber ich hol es gerade nach. Dann ist es wieder einer mehr.
@Robert. Hm bei mir alles in Ordnung was CSS angeht. Vielleicht war das Theme schon schlafen und schläft Deinen Schlaf
Von welchem Moped träumst Du denn?
Zu 1/2 OT: Ui – Dank dir! Zeigt aber, dass du vermutlich unter ‘nem guten System surfst: unter Safari klappt’s mit unseren @imports nicht… Wird in Kürze besser…