Wir beginnen den ersten Blogbeitrag nach dem Urlaub mit einer Wette: Wetten, dass sich kein einziger SEO den Film Twilight angeschaut hat! Sonst wäre sicherlich der ein oder andere Blogbeitrag über das Google Book Search Product Placement im Film Twilight geschrieben worden.
Dass Google prinzipiell auftaucht, wenn in Filmen etwas gesucht wird, ist ja schon quasi geduldeter Standard, aber bei einem Film, mit Buchvorlage musste sich Google schon was Passendes ausdenken.
In der ganzen Diskussion über die Universal Search, die Ergebnisse aus den Spezialsuchen von Google (Videos, Blogs, Shopping, Bilder etc.) in die normalen Suchergebnisse einspeist, hat Google unbemerkt ein 20 Sekunden Anfänger-Tutorial für die Google Books im Film Twilight integriert.
Es geht um die Szene, in der die Hauptdarstellerin Bella langsam auf den Trichter kommt, dass der von Ihr bewunderte Edward ein Vampir ist. Ein befreundeter Indianer des Quileute Stammes hat Ihr eine Legende erzählt, worauf hin Sie eine Google Suche nach “Quileutes Legend” durchführt. Die Kamera folgt der Maus, die die ersten Ergebnisse überspringt und gleich auf den Google Books Search Eintrag klickt.
Es öffnet sich die Vorschau des Buches und die Maus wandert gleich nach rechts, zu der Auflistung von Büchereien, die dieses Buch führen. Bella klickt auf “Thunderbird & Whale” Bookstore in Port Angeles, den sie kurz darauf im Film auch aufsucht, um das über Google gefundene Buch zu kaufen. Voila - fertig ist das Anfänger Video Tutorial zur Google Book Search.
Hier der Ausschnitt auf YouTube. Leider ist ein Teil Links abgeschnitten, so dass man nicht das Google Book Search Icon sieht (Im Film ist es deutlich zu sehen). Wer genauer hinschaut, erkennt aber trotzdem, dass die Maus auf eine Book Search Einblendung (Onebox) mit 3 verschiedenen Büchern klickt. Ähnlich wie die Shopping Ergebnisse, wo drei Produkte angezeigt werden
Ein Schelm wer Böses denkt
In Zeiten, wo sich der unzufriedene Google Sucher über mangelnde Relevanz in den Suchergebnissen beschwert, ein echter Augenöffner:
Mensch, kann man wirklich jetzt auch Bücher mit Google durchsuchen?
Dass das viele Leute bereits schon ausprobiert haben, zeigt Google Trends bei einer Suche nach “Quileute Legends“.
Ist damit auch die Bekanntheit von Google Books gestiegen?
Google Trends Suche nach “Google Books” und “Google Book”
Das News Reference Volume, also die Aufmerksamkeit der Presse, hat den Hauptanteil zur Trafficsteigerung beigetragen, macht aber auch klar, dass momentan die Google Book Search gezielt beworben wird. Wie groß der Anteil “Twilight” an dieser Aufmerksamkeit ist, kann man schwer sagen.
Passend gibt es nun auch die iPhone App, mit der man die 1,5 Millionen Bücher durchsuchen kann.
Das Wörtchen “Beta” wird also bald von diesem mächtigen Werkzeug verschwinden und Google wirklich zu einem “Tor zum Weltwissen” machen. Wahrscheinlich die Hölle auf Erden für jeden Wissensmonopolisten des schwarzen Mittelalters: Die Bücher dieser Welt in weniger als einer Sekunde durchsuchen - Wahnsinn.
Mit solch einem Werkzeug klappt´s dann auch mit dem Vampir von nebenan. Fragt sich nur ob das noch Product Placement oder schon die verbotene Schleichwerbung ist?????
Klassisches Product Placement außer von Google gibt es natürlich auch bei Twilight aber darauf will ich gar nicht weiter eingehen. Nur auf eine unscheinbare, kleine, lokale Biermarke mit großem roten R im Logo, die von Bellas Vater sympatisch als “Vitamin R” bezeichnet wird. Das ist schon ähnlich subtil wie das Google Book Search Tutorial.
Vielleicht zu subtil?
Dilettantische Feldforschungen meinerseits durch Befragung im Freundeskreis
ergaben, dass Google Product Placement schon stark aufgefallen ist, aber eine spezielle Buchsuche bei Google nicht bemerkt wurde. Schaut man sich andere Beiträge über Product Placement in Twilight an, wird ebenfalls nur Google aber nicht die Book Search erwähnt.
Solange bei den Besuchern hängen bleibt, dass man mit Google jetzt auch Bücher durchsuchen kann, war dieses Video Tutorial schon eine lohnenswerte Investition für Google. Allerdings habe ich da noch so meine Zweifel. Erst wenn bei wer kennt wen die ersten Links auf Gedichte bei Google Books an Pinnwände gekritzelt werden, hat Google Books das Prädikat “One Google to rule us all” verdient.
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Interessanter und gut geschriebener Artikel. In der Tat schwer zu messen, wie stark eine solche Werbung wirkt. Ist ja auch eher eine unterschwellige Einbettung, wenn man jetzt den Film gesehen hat und irgendwann später mal ein Buch braucht dann klickt man vielleicht schon gleich von selbst auf die Büchersuche ohne lange zu überlegen. Schon hat der Vampir Google sein Ziel erreicht…