2603. RSS richtig nutzen

Nachdem ich heute herausgefunden habe, dass der Feedreader Google Reader auch in einer für das iPhone optimierten Version daher kommt, fiel die Entscheidung relativ leicht, wieder auf meine Lieblings-Google-App umzusteigen. Seltsam, dass mir das nicht schon früher einmal in den Sinn kam; soll aber hier nicht das Thema sein.

Denn beim Einsortieren meiner regelmäßig und unregelmäßig gelesenen Feeds ist mir wieder einmal aufgefallen, dass das schlanke Format gerade von denen, die es am Nötigsten haben, immer noch unterschätzt oder gar ignoriert wird. Klar bieten bereits alle großeren Presseseiten ihre News und Artikel bereits als RSS Feeds an. Natürlich sind auch alle Blogs von Hause aus mit RSS-Feeds ausgestattet (z.B. unserer). Sobald man aber in den Mittelstand mit seinen mittelgroßen “Webvisitenkarten” schaut, hört die fabelhafte Welt der im Web2.0 möglichen Serviceangebote und Content-Syndikation (?) jedoch schlagartig auf.

Da ich glaube, dass dieses Manko hauptsächlich in mangelnder Beratungsleistung oder Aufklärung begründet ist (Der Zahnarzt um die Ecke wird sicher nicht nach RSS fragen), möchte ich im Folgenden einmal ein wenig aufräumen:

RSS… was?!

RSS Icon, Quelle Wikipedia, respektive Feed-Icon.orgFakt ist, dass es immer noch einigermaßen schwierig ist, die Nutzung von RSS-Feeds zu analysieren. Offline-Reader verhindern das “Zurückfunken” von Zählpixeln, Feedfarmen wie z.B. Feedburner, Google Reader, Newsgator ziehen sich die einzelnen RSS-Items einmal und verteilen dann ihrerseits wieder an hunderte Leser, ohne dass die Quellseite dafür berührt wird, etc. Die Hindernisse, ein halbwegs vernünftiges Tracking zu etablieren sind enorm.

Dementsprechend unklar ist, wen man überhaupt und wie oft erreicht. Lohnt sich RSS nur für Internet-affine Zielgruppen? Für Geeks und Nerds? Oder ist das Format auch Alltagstauglich?

Dienste wie Feedburner liefern jedoch eigene Statistiken über die Nutzung und Verbreitung des eigenen Feeds. Diese Statistiken zeigen durchaus positive Rückmeldungen: Entgegen den ca. 70 Einzelbesuchen/Tag im Monat März hier im Club, stehen bisher ca. 35 RSS-Zugriffe/Tag gegenüber. Nicht jeder dieser Kontakte ist auch ein Klick hier in den Club – muss aber auch nicht.

RSS ist das neue Lesezeichen

RSS = Really Simple Syndication (diese Definition gefällt mir am besten).

Mit zunehmender Verbreitung von Plattformen wie iGoogle (?) – auf die User einfach Feeds setzen können – und dem Fortschritt von RSS-Integrationsmöglichkeiten in Apple Mail (Test), Microsoft Outlook (Erklärung) oder anderen E-Mail-Clients dürften früher oder später auch Otto-Normal-Verbraucher sich einmal diese Form der Datenaggregation anschauen. Die zunehmende Verbreitung von RSS-fähigen eBook-Plattformen, Smartphones und Netbooks wird den Nutzen von RSS in naher Zukunft immer mehr Menschen öffnen.

Das zeigt auch die seit einiger Zeit verfügbaren Idee, RSS Quellen z.B. im Firefox Browser als “Live-Bookmarks” und -Favoriten ablegen zu können. Und spätestens hier wird der ganz klar Vorteil von RSS offensichtlich: Hinweise auf Änderungen, neue Artikel, neue Angebote fliegen automatisch in die Browser der Kunden. Ohne das der Kunde selbst aktiv werden muss.

Aber was gehört ins RSS?

“Neuigkeiten”- und “Aktuelles”-Seiten lohnen sich erst ab x Einträgen im Jahr!

Unsinn! Vor langer Zeit habe ich einen Artikel über den Sinn und Unsinn von “Aktuelles”-Bereichen auf Webseiten gelesen. Damals vertrat der Autor die Meinung, dass sich solche Bereiche keinen Sinn machen, wenn Sie verwaisen, monatelang kein Beitrag produziert wird oder gar mit Füllern, wie der neuen Büroausstatttung von Sachbearbeiter XY angestrengt aktuell gehalten werden.

Ohne Bereich, der danach aussieht als würde sich hin und wieder was tun oder gar spezielle Angebote auf mich warten, wird der 08/15 User jedoch nach kurzer Aufsich das gerade besuchte Angebot wieder verlassen und im schlimmsten Fall vergessen. Kleine, relativ ruhige Unternehmen haben also – folgen Sie der vorher genannten Meinung – das Problem ihre Internetbesucher nicht langfristig binden zu können.

RSS löst beide Probleme – Ein Nachrichtenbereich darf dabei mit seinen zu erwartetenden seltenen Updates optisch auf der Website durchaus in den Hintergrund rücken. Ein Feed, der entsprechende Unternehmens-Neuigkeiten aggregiert hilft als Ergänzung dazu, geneigte Abonennten im Fall der Fälle wieder herzulocken. Win-win für beide Seiten, ohne viel Aufwand.

Vielfältige Vorteile

Neben diesem augenscheinlichen Argument, entsprechend ausgestattete Leser hin und wieder auf das eigene Angebot hinzuweisen, öffnen sich via RSS beschleunigte Webseiten indirekt und vielleicht sogar unbewusst vielen, vielen Ressourcen, die ihrerseites Inhalte aufbereiten und einer breiteren Masse zur Verfügung stellen.

Und da bereits die kleinsten CMS-Systeme entsprechende Module zur Verfügung stellen… Wieso nicht. Ich würde mir wünschen, die Mittagskarte der Suppenküche um die Ecke, Pflegeangebote meines Zahnarztes oder auch die wöchentlichen Angebote meines Metzgers online einsehen zu können. Legt mal los.

Post von Sebastian Gerhards

Sebastian arbeitet für core4 in Hannover und gehört zum Gründerteam des Clubs. Er schreibt über Online-Marketing & -Recht, Projektmanagement, Neues, Interessantes und die Perlen im Netz, die uns stolz machen ein Teil davon zu sein.

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