0505. Google kills the produki Star?

produki steht für “Produkt” und “Wiki” und ist eine Website, auf der die besten Tipps und Informationen zu Produkten gesammelt, strukturiert und bewertet werden.

Diese vielversprechende Webseite hat heute die geschlossende Beta verlassen und präsentiert sich nun frei zugänglich der Öffentlichkeit. Ich habe während der Beta ab und zu mal reingeschaut und finde das Konzept der Webseite gut und die bisherige Umsetzung ebenso gut. Also Gratulation an Nico Zorn, Roland Schäfer und Christian Clever.

Google vs. produki?

Ich als potentieller Käufer möchte Produktinformationen und Bewertungen aus erster Hand und vor allem nicht vom Hersteller selbst beschönigt. Ich will von sie von Nutzern in Form von Bewertungen, Testberichten usw. Unter diesem Aspekt der Kaufberatung habe ich ein bisschen Angst um produki, denn Google sammelt nicht erst seit gestern  über Google Base (früher besser bekannt als Froogle) zahlreiche Daten zu Produkten.

Wir haben hier also

David mit eigenem User-Generated-Content vs. Goliath mit aggregiertem User-Generated-Content.

Denn zu den von den Herstellern gelieferten Produktdaten sammelt Google nun auch Bewertungen und liefert einen Preisvergleich. Also eine Sammelstelle für alles was das Netz so zu einem Produkt zu bieten hat.

The Rise of Google Shopping Suche

In letzter Zeit finden sich immer häufiger Google Shopping Ergebnisse zwischen den normalen Ergebnisse. (Universal Search). Erstmal also eine Einspeisung von Daten, die Hersteller und Online Shops via Google Base übermittelt haben. Nix mit User-generated

Ein Klick auf die Produkte führt auf die Shop-Seite, ein Klick auf “Shopping-Ergebnisse für eee pc 1000h” führt zur Ergebnisliste der Google Produktsuche.

shopping-universal-search-klein

Nun, das ist noch keine Konkurrenz zu produki. Wenn ich aber nach “ASUS Eee PC 4G” suche, erhalte ich nicht mehr die Einspeisung der Top 3 Shoppingergebnisse sondern einen Verweis auf den Eintrag bei Google Base direkt. Also eine bei Google gehostete Zwischenseite.

google-base-eeepc-klein

Das ist schon eher eine Konkurrenz zu produki:
All-in-one made by Datenkrake Google. Hier finde ich alles, was das Käuferherz begehrt: Bewertungen, Preisvergleich, ähnliche Produkte und technische Daten. Ich werde hier ähnlich umfassend informiert wie auf der produki Seite zum Eee PC 4G. Google geht also dazu über verschiedene Quellen miteinander zu kombinieren.

produki-vs-google

produki Seite vs. Google Seite

Reicht besser sein aus?

Ich persönlich muss sagen, dass mich gerade die Auflistung der Vor- und Nachteile bei produki begeistert. Denn das ist doch die Quintessenz jeder Kaufentscheidung. Lange Bewertungstexte sind subjektiv und letztendlich habe ich als Käufer sowieso nur ein paar wichtige Must-haves. Ich persönlich mag also diesen Ansatz von produki.

Was aber, wenn der Suchende gar nicht erst bis zu produki kommt, sondern gleich bei Google Base abgefangen wird. Denn dort erhält er auf einer Seite alle Informationen, die er sich bisher nur mit einer mühsamen Internet-Recherche zusammensuchen musste. Er ist also schon am Ziel seiner Suche, die nur durch Klicks auf die von Google Aggregierten Daten verfeinert wird.

Muss Produki in Zukunft seine Bewertungen bzw. Vor- und Nachteile zu Google Base exportieren, um überhaupt ins Sichtfeld des Suchenden zu gelangen, wenn Google nicht nur als Ausgangspunkt des Surfens sondern auch bald als Sammelstelle für Informationen angesehen wird? Mittlerweile ist die Adressleiste ja schon fast durch ein Google Suchfeld ersetzt worden. Warum sollten Googles Spezialsuchmaschinen nicht auch bald andere Dienste bzw. Webseiten ersetzen? Genauso wie “Google” bei vielen mittlerweile ein Synonym für “Internet” ist.

Wenn Google als Einfallstor zum Internet schon Produktbewertungen aggregiert, was ist dann mit all dem anderen Web 2.0 Content des weiten WWWs?

Google kills the Web 2.0 Stars?

Das Mitmachweb ist gerade an seinem Zenit und damit auch zahlreiche Webseiten die Content generieren und/oder viel Kapital verschlingen. Führt sich aber dadurch vielleicht das Web 2.0 ad absurdum? Wird die Intelligenz der Massen zum Input-Overflow der Massen. Ist der normale Nutzer außerhalb der Web-Prokrasteniker, auf einen Sammeldienst wie Google angewiesen, da er mit Diensten wie Twitter, produki, technorati und twingly nichts anfangen kann und bei techcrunch an ein Knusper-Müsli denkt?

Aber auch der twitternde Prokrasteniker hat seine Grenzen und kann nicht auch noch bei produki Vorteile eingeben, nachdem er bei qype die Dönerbude runter gemacht hat. Netzwertig titelt: “Endlich alle Informationen und Tipps zu Produkten an einer Stelle“. Ich sage: Hoffentlich bleiben die Informationen und Tipps nicht an einer Stelle sondern werden über die Grenzen der Domain hinausgetragen.

Und zusätzlich: Hoffentlich werden die Bewertungen, die ich anderswo von mir gebe (z.B. Twitter) auch in die Grenzen der produki Domain getragen. Will heissen: Ich twittere sicherlich oft über das ein oder anderes Produkt und es verpufft in der Unendlichkeit der Web2.0 Texte. Angelt jemand wie produki diese Meldung aber passend heraus, wenn jemand danach sucht und reit es in die bereits bestehenden Vor- und Nachteile ein, wäre das schlichtweg geil.

Da ruft auch schon das Semantische Web, denn “Aggregierte Sammelwut ist keine Semantik” und bringt auch den Nicht-Prokrasteniker keinen Schritt weiter zur sinnvollen Beurteilung eines Produktes (keiner liest 140 Bewertungen). Ich kann auch nicht für alles und jeden Schnittstellen und PlugIns entwickeln, damit all die zahlreichen Webseiten miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Google macht es recht schlau, indem es uns nach den Daten via Google Base fragt und wir liefern es auch noch schön brav an. Bewertungen werden aber nach wie vor durch aggregierte Sammelwut von Google aufgesogen.

Qimaya behauptet, dass die semantische Verknüpfung von Inhalten ja ganz einfach ist. Wolfram Alpha wird wegen der Fähigkeit durch sinnvolle Aggregation von relevanten Daten Antworten zu liefern als Google-Killer bezeichnet. eyeplorer ist die visuell ansprechende Version der semantischen Aggregation. Buzzriders geht das ganze regional an und befindet sich schon bei Skizze 2.

Wir haben jetzt also erst mal das Internet voll gemacht, jetzt müssen wir es aufräumen. Produki versucht die Welt der Produktbewertungen aufzuräumen, indem es versucht, Leute kurz vorm Internet-Burn-Out vom zeitaufwendigem Aufräumen zu überzeugen. Ich denke die nächste Killer-Applikation wird zur Killer-Applikation, indem es die Mitteilungswut im Netz sinnvoll nutzt ohne gleichzeitig einen neuen LogIn zu fordern und über die eigenen Domaingrenzen hinaus geht.

Ich verweise hier gerne noch mal auf Qimaya. Wenn die sich mit produki unterhalten kann sicherlich was entstehen, was sich sehr stark von der reinen Sammelwut via Google Base abhebt.

Ich werde sicherlich vor dem nächsten Kauf (meine Beispiele sind kein Zufall ;-) ) auf produki nach Rat suchen. Vielleicht ist buzzriders dann schon so weit, um mit regionalen Kleinanzeigen den kompetenten Fachhändler in meiner Nähe zu präsentieren, während ich mir auf Google Base die produki Vorteile anschaue, die Google für viel Geld aggregiert, da hochwertiger Content echt was wert ist.

Update: Zum Thema warum das Internet nicht kostenlos ist, hat fast zeitgleich Kai Müller vom stylespion was geschrieben. Wie in meinem letzten Absatz angedeutet, wäre es jetzt wirklich an der Zeit für hochwertigen Content Geld zu bezahlen, um sich damit unter anderem aus der Masse der sinnlos aggregierenden Datenkraken abzuheben. Siehe auch Kommentar von Martin unten.

Beitrag vom 05.05.2009
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Post von Hanta Seewald

Hanta ist Geschäftsführer von medialis.net und mark-up Marketing Design. Im 72dpiClub kommentiert er Entdeckungen und berichtet über das, was ihn begeistert. Seine Schwerpunkte sind Online Marketing und die Welt des Social Media (und das Schreiben über sich selbst in der dritten Person)

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  1. martinwaiss | 05052009 10:47

    Die Schlacht um Informationswert

    Die Schlacht um den wahren Informationswert ist eröffnet und trotz der besten Ausgangslage wird nicht automatisch der größte Aggregator gewinnen, weil Menge an sich alleine noch keinen Unterschied macht.

    Kontextlose Daten und Strings

    Ganz im Gegenteil. Kontextlose Daten, Dokumente, Snippets oder Strings zu horten ist ziemlich einfach und ohne weitere Aufbereitung auch ziemlich sinnlos. Es wird nicht und es ist mittlerweile schon gar nicht mehr machbar, im Sekundentakt ein “Image” von der Online-Welt zu speichern, wenn man mit diesem “Image” weiter Nichts anfangen kann.

    Rückkehr der proprietären Vergangenheit

    Um uns vor dem Rückkehr der Vergangenheit mit geschlossenen proprietären und zweckgemäß redaktionell gefilterten Portalen und Netzwerken zu bewahren, ist es äußerst wichtig das Problem des Informationsoverflows täglich aufzuzeigen und zukunftsorientierte Ansätze àla Qimaya, Wolfram-Alpha oder Eyeplorer ins Gespräch zu bringen.

    Signal to Noise Ratio

    Ich hoffe, dass es nicht notwendig sein wird künftig für rauschfreies Signal unsere Freiheit opfern zu müssen und dass es bald Qimaya & Co. gelingen wird das Signal to Noise Ratio zu maximieren und für uns alle das wahre Potenzial des WeltWeitenWebs zu erschliessen.

    PS: Hervorragender Artikel, sehr gut recherchiert! Bravo! Grüße aus Wien :)

  2. Nico | 05052009 13:45

    Super Artikel, klasse Analyse! Ich bin gerade auf dem Sprung, möchte aber dennoch auf einige Punkte kurz eingehen:

    “Hoffentlich bleiben die Informationen und Tipps nicht an einer Stelle sondern werden über die Grenzen der Domain hinausgetragen.”

    Klar, was das angeht haben wir einiges in Planung – bleiben Sie dran :-)

    “Hoffentlich werden die Bewertungen, die ich anderswo von mir gebe (z.B. Twitter) auch in die Grenzen der produki Domain getragen.”

    Das haben wir erst kürzlich intern diskutiert. Automatisches Aggregieren hat halt immer Vor- und Nachteile… Eine twitter-Search nach iPhone 3G liefert z.B. aktuell jede Menge Gewinnspiele, aber kaum sinnvolle Bewertungen ( http://search.twitter.com/search?q=iphone+3g ). Ein Vorteil von produki sehen wir in der sinnvollen Einordnung und Bewertung der Inhalte, wir werden aber versuchen, diesen Ansatz mit der automatischen Aggregation dort wo es Sinn macht zu kombinieren.

    Die Frage, ob Google langfristig das Gleichgewicht zwischen “Traffic liefern” und “Inhalte nehmen” hält, ist in der Tat sehr spannend – nicht nur für uns, sondern – wie Du auch schreibst – für jeden, der Inhalte im Netz veröffentlicht.

    P.S.: Danke für die Bezeichnung “produki Star”. Noch Beta aber schon ein Star – wow ;-)

  3. Hanta Seewald | 05052009 13:51

    Vielen Dank für das Lob. die Relevanz-Probleme beim Aggregieren z.B. der Twitter Meldungen sehe ich auch. vielleicht ist es sinnvoll einzelne Registrierte Nutzer freizuschalten. Ich denke aber Ihr werdet da sicherlich schon gute Ideen entwickeln, wenn du schreibt Ihr seid dabei.

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